Die Meisterwurz

Ein verdientes Mitglied der exklusiven Runde der regionale Superfoods.

11.05.2020Natur & Aktiv, Kulinarik

Speziell in Zeiten, in denen wir unser Immunsystem stärken und unterstützen möchten, darf ich Ihnen einen typischen Vertreter auf den Almwiesen der Gerlitzen Alpe näher vorstellen. Und wie es sich für eine „KAISERIN“ (wie sie auch genannt wird) geziemt – lasset zuerst die Fanfaren erklingen:

Hier kommt die Meisterwurz (Peucedanum ostruthium).

Für dieses besondere Mitglied der exklusiven Runde von regionalen Superfoods gibt es noch viele andere Namen, wie z.B. Bergwurz, Brustwurz, Kaiserwurz etc.

 

Man achte auf ihr mächtiges Erscheinungsbild:

Beindruckend sind schon die Blüten. Hier bilden 20 bis 50 Döldchen eine wunderschöne Dolde. Die großen Blätter mit ihrem kräftig-würzigen Selleriegeschmack sind charakteristisch für diese bis zu 1 Meter hohe Pflanze. Die jungen Wurzeln sind zuerst noch weiß, später schwarz und verzweigen sich 10 bis 20 cm im Boden.

 

Wussten Sie auch…

Sie war früher im gesamten Alpenraum die meistgeschätzte Heilwurzel und ist es für Kenner der alpinen Pflanzenwelt auch heute noch. Als „Wurz aller Wurzen“ half die Meisterwurz bei vielen Krankheiten und das brachte ihr im Volksmund in Ehrerbietung ihrer Kraft den Titel „Kaiserwurz“ und „Imperatoria“ ein.

Früher wurde sie in jedem Bauerngarten der Alpentäler angebaut, doch heutzutage muss man die Meisterwurz in ihrer angestammten Heimat in 1100-2600 Metern Seehöhe in wasserreichen Böden suchen gehen. Je höher ihr Standort ist, desto stärker ist ihre Heilkraft!

 

Durch die Synergie der gesamten Wirkstoffe der Meisterwurz wirkt sie:

  • antibakteriell, antiviral, Infektionen vorbeugend und heilend
  • immunstärkend, entzündungshemmend, wundheilend und entgiftend
  • stoffwechselanregend, appetitanregend und verdauungsfördernd
  • harntreibend, schweißtreibend und fiebersenkend
  • das Selbstbewusstsein stärkend, erwärmend, Libido steigernd und stark kräftigend
  • … und ganz nebenbei ist sie ein ideales Tonikum für Männer in der Midlife-Crisis!

Wie also sammeln?

Die Pflanze steht uns vom Frühling bis zum Herbst zur Verfügung und wir können viele Pflanzenteile nutzen. Die Wurzel gräbt man im Frühjahr oder im Spätherbst, die jungen Blätter oder Blüten erntet man von Frühling bis Frühsommer und die reifen Samen bleiben oft noch bis in die Winterzeit an den Pflanzen haften.

Grundsätzlich nur Kräuter von unbelasteten Wiesen sammeln! Nicht in unmittelbarer Nähe von landwirtschaftlichen Flächen oder Spazierwegen sammeln.

!!! ACHTUNG !!! Vorsicht beim Graben der Wurzel. Der Meisterwurz wächst gerne in enger Gesellschaft von giftigen Pflanzen, wie Eisenhut, Greiskraut, weißer Germer etc. Daher jede gegrabene Wurzel sorgfältig auf Geruch und Aussehen kontrollieren.

 

Weiter geht es in der Küche…

Die aromatischen, verdauungsfördernden Blätter haben einen ganz eigenen Duft, der an Sellerie, Liebstöckel und Engelwurz erinnert und werden frisch oder getrocknet wie ein Küchenkraut verwendet. Zum Beispiel zum Würzen von Käse, im Kräutersalz, Kräutertopfen, Kräuterbutter, Kräuteressig, Gemüsesuppe, Knödel, Gnocchi etc.

Sehr lecker schmecken die Blätter der Meisterwurz in Bierteig ausgebacken als besondere Beilage zu einem Hauptgericht.

Knospige Blütenstände sind eine würzige Beigabe zu Gemüsesuppen, Frittaten etc. Die Blüten eignen sich auch zum Dekorieren und Würzen von Speisen und Getränken aller Art.

Die reifen, ebenfalls aromatischen Samen nimmt man ab August auch als Brotgewürz oder gibt sie zu einem Kräutersalz. Die würzigen, desinfizierend wirkenden, reifen Samen werden frisch und auch getrocknet bei schlechtem Atem oder bei Halsschmerzen gekaut.

 

Und hier natürlich der Klassiker!

Innerlich kann Meisterwurz auch in Form einer Tinktur angewendet werden. Dafür wird frische oder getrocknete Wurzel mit ca. 60 Vol.-% Alkohol überschichtet und im Dunkeln mind. 1 Monat gelagert. Zwischendurch immer wieder aufschütteln. Danach abseihen und 2-3 Tropfen davon täglich einnehmen.

Diese Tinktur gibt es natürlich auch im Fachhandel zu kaufen!

Aufgetragen wird die Tinktur auch bei Zahnschmerzen und als Wickel bei Halsschmerzen, Muskel-, Bänder-, Sehnen-, Sehnenscheidenschmerzen, Bandscheibenbeschwerden, Hexenschuss und rheumatischen Beschwerden.

 

Oder auch mal als Meisterwurz-Schnaps…

Es gibt ihn als Meisterwurz-Brand, aber auch als Ansatzschnaps.

Der Meisterwurz-Brand besitzt ein sehr feines Aroma! Für den Schnapsbrand werden die Wurzeln frisch, aber auch getrocknet verwendet. Sie werden gereinigt, feingehackt und gemeinsam mit einer Kernobstmaische vergoren. Je nach gewünschter Intensität des Meisterwurz-Aromas im Schnaps gibt man je 100 Liter Obstmaische 5 bis 10 kg Meisterwurz-Wurzeln dazu. 

Der Ansatzschnaps mit Meisterwurz schmeckt zwar nicht so delikat, aber er hat noch mehr Heilkräfte in sich. Hier ist das Rezept für den Ansatzschnaps: Ein fingergroßes, frisches, dickeres Wurzelstück fein zerkleinert in 1 Liter Obstschnaps ca. 4 Wochen dunkel und bei Zimmertemperatur in einer verschlossenen Flasche ziehen lassen. Öfters kräftig durchschütteln. Filtrieren und in einer verschlossener Flasche aufbewahren. 

 

Und hier ein kleiner Geheimtipp von mir: "Feuriger Wurzelmeister-Senf“

  • 1-2 g getrocknete Meisterwurz-Wurzelstücke fein gemahlen (sorgsame Dosierung!)
  • 150 g Senfkörner fein gemahlen
  • 250 ml Wasser mit 100 ml Essig (5 %) kurz aufkochen und abkühlen lassen
  • Wurzelpulver, Senfkörnerpulver, 15 g Salz und 50 g Zucker vermischen und gemeinsam mit der Wasser/Essig-Mischung kurz pürieren (Flüssigkeit nach und nach bis zur gewünschten Konsistenz dazugeben). Mehr oder weniger (!) Menge an Meisterwurz kann natürlich individuell an die eigenen Vorlieben angepasst werden.
  • In saubere Gläser abfüllen.

Dieser exquisite Senf ist ca. 4 Wochen im Kühlschrank haltbar.

 

Die Meisterwurz als Räucherwerk

Aufgrund seiner Wirkung und seines Duftes zählt die Meisterwurz seit jeher im Alpenraum zu den wichtigsten Räucherpflanzen.

Getrocknet, zerkleinert und auf Räucherkohle verräuchert, verströmt die Wurzel einen feinen, balsamischen Duft, der uns, die wir meistens unter negativem Stress und Erschöpfungszuständen leiden und auch mit Melancholie, Depressionen und Krankheiten zu kämpfen haben, sehr gut stärkt und uns aus der Dunkelheit in Richtung Zuversicht, Vertrauen und Optimismus hinaufhebt!

Beim Räuchern erleben wir die Meisterwurz auch als ausgleichend und in die innere Balance bringend. Er stärkt die Psyche, den Organismus, den eigenen Selbstwert, die Wertschätzung für uns selbst und andere.

Auf spiritueller Ebene erfahren wir noch eine andere Qualität der Meisterwurz. Nämlich die Erinnerung an unsere eigene Meisterschaft und die Wiedererweckung dieser Qualitäten und Fertigkeiten in unserem Leben.

 

Viel Freude beim Ausprobieren!

Richard Bürger - Gastgeber Team des Mountain Resort Feuerberg in Kärnten
Richard Bürger
Meine Rolle am Feuerberg:
Impulsgeber & Wegbegleiter
Mein Feuer brennt für:
Musik und Kräuter aller Art